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Schweizer Rennreiter-Verband
Auslandaufenthalt Silvia Casanova 01.09 - 02.12.2019
Den ausführlichen Bericht von Silvia Casanova, die einen dreimonatigen Aufenthalt in Newmarket gemacht hat, möchten wir euch nicht vorenthalten: Dreimonatiger Aufenthalt bei John Gosden, Clareheaven Stables, Newmarket, 2019 Mein bleibender Eindruck und mein ganzer Respekt gehört John Gosden, einer der erfolgreichsten Trainer der Welt. Vom ersten Tag an beeindruckte er mich durch seine Klasse, seine Freundlichkeit und seine Wertschätzung seinen Angestellten gegenüber. Jeden Tag präsent, interessiert er sich für jedes Pferd und jeden Angestellten. Alle seine ungefähr 100 Angestellten grüsst er täglich mit Namen und einem „everything ok“?. Das Arbeitsklima ist ihm sehr wichtig, da er davon überzeugt ist, dass nur „happy employees happy horses“ machen und dies der Schlüssel zum Erfolg ist. Geboren wurde John Gosden am 30. März 1951 in Hove, England. In den 80er Jahren trainierte er in Kalifornien «Bates Motel», mit dem er die ersten grossen Erfolge feierte. Seitdem er 1989 nach England zurückgekehrt ist, hat er über 3000 Sieger trainiert. Darunter waren Gewinner der Breeder`s Cup Classic, des Derbys, der King George Stakes, der Eclipse Stakes, der 1000 Guineas Stakes, des St. Legers und des Prix de l` Arc de Triomphe. Am Ende der britischen Saison 2012 erhielt Gosden erstmals den Titel des British flat racing Champion Trainers. Am 7. März 2017 wurde ihm von der Queen sogar «the Order of the British Empire» verliehen. Unterstützt wird John Gosden von seinen Assistenztrainern Thady Gosden (Sohn), Barry O`Dowd, Garry Rothwell und Gerry Maccormack. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Pferde beim Training zu beobachten, die passenden Rennen zu finden, die Pferde falls nötig mit dem Tierarzt / Chiropraktiker anzuschauen, sie machen die Lottafel, entscheiden wann wie und mit wem die Pferde arbeiten und analysieren jeweils die Arbeitsvideos. Clareheaven Stables, wo ca. 180 Pferde trainiert werden, ist in verschiedene Yards aufgeteilt. Für jeden Yard sind ein bis zwei Futtermeister zuständig. Jeder Futtermeister betreut ca. 20 Pferde. Sie füttern die ihnen zugewiesenen Pferde, kontrollieren die Beine und bandagieren. Jeder Reiter gibt dem jeweiligen Futtermeister Feedback über das Pferd, das er geritten hat. Man wird gefragt wie das Pferd atmet, sich bewegt, ob es hängt, sich gegen die Trense wehrt, ob es schon am Limit ist und ob bzw. wievielmal es hustet. Hängt ein Pferd, werden am selben Tag die Zähne kontrolliert. Bewegt sich ein Pferd schlecht, wird es vom ständig anwesenden Tierarzt untersucht. Die Pferde, welche nach den Galopps husten, werden sofort endoskopiert. Lungenblutern wird jeweils vor der Arbeit Lasix verabreicht. Zusammen mit den Futtermeistern werden Verbesserungsmöglichkeiten betreffend Zäumung und Trensen diskutiert und ausprobiert. Arbeitsbeginn für einen Arbeitsreiter bei John Gosden ist um 6.00 Uhr. Jeder mistet sein drittes Lot und gibt diesem Pferd auch Heu. Dann sattelt jeder sein erstes Lot und um 6.30 Uhr ist das erste Lot draussen. Es wird sehr lange Schritt geritten, getrabt wird nur fünf Minuten und bei tiefem Boden überhaupt nicht. Nach der Galopparbeit wird im Schritt zum Stall zurück spaziert. Eine normale Arbeitswoche für ein Pferd im Gosden Stall gestaltet sich etwa wie folgt: Montag: ein Canter Warren Hill ruhig = 200m. in 17 Sek. Dienstag: zwei Canter Warren Hill normal das heisst: Gruppen oder Listed Pferde 200m. in 12 Sek.-13 Sek. andere 15- 16 Sek. Mittwoch: Galopp meistens Albahatri dort 1400m. -1500m. Gruppe Pferde starten die ersten 200m. in 12-13 Sek. und enden mit 11- 12 Sek. für 200m. Andere starten mit ca. 15-16 Sek. für 200m. Donnerstag: zwei Canter Warren Hill je 800m. normal Freitag: zwei Canter Warren Hill je 800m. normal Samstag: Galopp Albahatri gleich wie Mittwoch oder Galopp Long Hill, dort arbeiten die Pferde die gleiche Distanz, etwa gleiche Pace, ist aber auf Gras, hat einen engen Bogen und ist die letzten 400m. steiler als Warren Hill Sonntag: Ruhetag oder nur traben Ein Lot dauert eineinhalb Stunden. Im Gosden Stall gibt es vier Führmaschinen, es können aber nicht alle Pferde jeden Tag an die Maschine, deshalb wird Wert auf lange Lots gelegt. Es werden drei Lots geritten. Um ca. 12.00 Uhr ist Arbeitsschluss. Um 16.00 Uhr beginnt der Abendstall. Dort gibt es auch eine Lottafel, auf welcher aufgeführt ist wie viele und welche Pferde man betreuen muss. Meistens sind dies drei Pferde, die man misten, Heu geben, putzen, Hufe fetten, an die Führmaschine führen und um 17.20 Uhr füttern muss. Der Erfolg des Gosden Stalls kommt nicht von ungefähr. Alles ist durchorganisiert und strukturiert. Alle Galopps werden gefilmt und anschliessend im Büro analysiert. Wer es interessiert darf selbstverständlich alle Arbeiten anschauen. Dies ist für Lehrlinge extrem wichtig und hilfreich. John Gosden managt nicht nur die Pferde sondern sorgt auch für ein gutes Klima im Stall. Er ist umgeben von fachkompetenten, sympathischen, immer gut gelaunten Assistenz Trainern, treuen Arbeitsreitern, einem super Hufschmied, Tierarzt, Osteopathen und Physiotherapeuten. Nicht zu vergessen sind die herausragenden Jockeys, die für John Gosden in den Sattel steigen: Frankie Dettori, Robert Havlin, Kieren O`Neill und Nicky Mackay. Die Zeit im Stall von John Gosden wird mir in bester Erinnerung bleiben und ich habe die Möglichkeit jederzeit zurückzukehren. Für die Unterstützung des SRVs möchte ich mich herzlich bedanken.
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